In den letzten zwei Ausgaben haben Trainer aus der 1. Klasse Nord gesprochen. Heute kommt die Perspektive vom Verband.
Franz Trötzmüller ist Hauptgruppenobmann der Hauptgruppe Nord beim NÖFV. Er hat Speed News eine offizielle schriftliche Stellungnahme zur Eigenbau-Regelung übermittelt — und die hat es in sich.
Sein Urteil ist eindeutig
„Mein Hauptkritikpunkt an der derzeitigen EB-Regelung ist, dass sie aus meiner Sicht absolut nichts mit einer tatsächlichen Förderung der Nachwuchsarbeit zu tun hat.“
Der Grund: Ein finanzstarker Verein kann einen jungen Spieler von einem kleineren Verein abwerben. Nach zwei Jahren gilt dieser Spieler beim aufnehmenden Verein als Eigenbauspieler — obwohl der neue Verein keinerlei Ausbildungsarbeit geleistet hat. Der Verein, der den Spieler tatsächlich ausgebildet hat, verliert ihn und bekommt dafür nichts. „Wo bleibt hier der Anreiz für nachhaltige Nachwuchsarbeit?“, fragt Trötzmüller.
Dazu kommt ein strukturelles Problem, das er aus zahlreichen Gesprächen mit Vereinsfunktionären kennt: Gerade in ländlichen Gebieten und Grenzregionen sind die Voraussetzungen völlig andere als in größeren Zentren. Während manche Vereine auf eine breite Nachwuchsbasis zurückgreifen können, kämpfen andere schon darum, überhaupt genug Kinder für einen Jahrgang zu finden — und sind auf Spielgemeinschaften angewiesen.
Sein konkreter Reformvorschlag
Trötzmüller hat sich nicht damit begnügt, Kritik zu üben. Er hat in den Wintergruppensitzungen aller Gruppen intensiv Aufklärungsarbeit geleistet — und einen eigenen Vorschlag eingebracht.
Erstens: Die Mindestanzahl von acht auf sechs Eigenbauspieler reduzieren — analog zur 1. Landesliga, wo diese Regelung bereits gilt.
Zweitens: Für jeden eigenen Nachwuchsspieler im Spieltagskader soll sich diese Zahl weiter verringern. Konkret: Sechs minus eins pro Nachwuchsspieler im Kader — egal ob Startelf oder Bank. „Dadurch würden Vereine unmittelbar dafür belohnt, junge Spieler aus den eigenen Reihen an den Erwachsenenfußball heranzuführen.“
Das wäre, so Trötzmüller, eine echte Nachwuchsförderung — weil sie direkt mit dem tatsächlichen Einsatz junger Spieler verknüpft ist.
Persönlich: für Abschaffung
Seinen eigenen Standpunkt macht er ebenfalls klar: „Persönlich bin ich für eine vollständige Abschaffung der EB-Regelung.“ Die Begründung ist pragmatisch — kein Verein könne langfristig ohne funktionierende Nachwuchsarbeit überleben. Das wüssten die Vereine selbst. Eine Regel brauche es dafür nicht.
Das Abstimmungsergebnis — und wie er damit umgeht
Im Zuge der NÖFV-Vereinsumfrage haben rund 75 Prozent aller Vereine abgestimmt — insgesamt 359. Das Ergebnis: 52,9 Prozent für Beibehaltung, 19,8 Prozent für eine modifizierte Variante, 27,3 Prozent für Abschaffung.
„Dieses Ergebnis hat viele überrascht, mich eingeschlossen.“ Trötzmüller war für Abschaffung — und respektiert trotzdem das Ergebnis: „Wenn die Vereine in einer demokratischen Abstimmung eine Entscheidung treffen, dann ist diese zu respektieren. Genau das haben wir verbandsseitig auch getan.“
Was bleibt
Drei Teile, viele Stimmen — vom Trainer, der einen verletzten Feldspieler als Ersatztormann nominieren musste, bis zum Obmann, der die Regel am liebsten abschaffen würde.
Die Regelung bleibt vorerst, wie sie ist. Ob sie ihren Zweck erfüllt — daran scheiden sich die Geister. Was alle eint: Nachwuchsarbeit entsteht nicht durch Vorschriften, sondern durch Menschen, die sie leben.