In der vergangenen Ausgabe haben wir die Frage gestellt. Jetzt liegen die Antworten auf dem Tisch.
Speed News hat mit acht Trainern und Vereinsverantwortlichen aus der 1. Klasse Nord gesprochen — über die Eigenbau-Regelung, ihre Tücken und darüber, was sie in der Praxis wirklich bewirkt. Das Bild, das sich ergibt, ist alles andere als eindeutig.
Die, bei denen es kein Thema ist
Für Markus Geissler vom SC Orth/Donau ist die Diskussion eigentlich eine einfache: „Bei uns ist es gar kein Thema, weil wir glaube ich 10, 11, 12 Eigenbauspieler haben. Weil einfach alle gern da sind.“ Dahinter steckt für ihn Vereinsphilosophie — langfristig denken, einen Stamm halten. „Wenn ein Verein längerfristig denkt, gibt es mit dieser Regelung eigentlich kein Problem.“
Ähnlich sieht es Lukas Kiss vom SV Haringsee: Er findet die Grundidee gut. Wer jedes Jahr zehn neue Spieler kauft, zerschießt die Liga. Zwei Jahre beim selben Verein — das sei eigentlich nicht zu viel verlangt. „Man sollte auf zwei Jahre planen können. Auf jeden Fall.“
Patrick Groher aus Großengersdorf sieht das genauso: „Fast alle meiner Spieler haben den EB-Status und wir spielen ohne Legionäre — was gut so ist.“ Sein Standpunkt: Die Regelung sollte bleiben. Es soll nicht das dickste Geldbörsel über den Kader entscheiden.
Die, bei denen es sehr wohl ein Thema ist
Und dann gibt es die andere Seite.
Felix Wallner vom USC Kronberg bringt es auf den Punkt: „Ich habe auf einen Ersatztormann verzichtet, weil mein Ersatztormann auch kein Eigenbau ist — und habe einen verletzten Feldspieler als Ersatztormann auf die Bank gesetzt.“ Spieler, die er gar nicht einsetzen konnte, standen im Kader — während drei 16- und 17-jährige Nachwuchsspieler von der Bande zugeschaut haben. Die zählen nämlich nicht als Eigenbau, weil sie erst kürzlich zum Verein gestoßen sind. „Das fördert halt gar nichts.“
Sein Vorwurf ist konkret: Die Regel wird in der Praxis so gut wie immer umgangen — mit Verletzten, mit 50-jährigen Funktionären, mit Ersatztormännern, die niemand je spielen lässt. „Ich weiß nicht, ob du das schon gelesen hast — aber des Öfteren wird der Obmann oder der sportliche Leiter als quasi Ersatztormann aufgeschrieben, damit er das erfüllt.“
Philipp Wildprad aus Bad Pirawarth kennt das ebenfalls: Als Trainer in Angern saß sein 64-jähriger sportlicher Leiter auf der Bank — gemeldet als Spieler, einzig um die acht zu erfüllen. „Steht mit der Idee der Jugendförderung durch diese Regel nicht unbedingt im Einklang.“
Was sich viele wünschen
Sonderregelungen bei Verletzungspech? Da ist fast jeder skeptisch — zu viel Interpretationsspielraum, zu schwer zu kontrollieren. Aber an der Grundstruktur der Regel zweifeln viele.
Marco Brank aus Gaweinstal schlägt vor, die Anzahl an einen Altersjahrgang zu knüpfen statt an Vereinszugehörigkeit. Wer einen jüngeren Spieler einsetzt, sollte dafür belohnt werden — mit einer reduzierten Eigenbauanforderung.
Julian Trötzmüller, Sportmanager bei Hauskirchen, geht noch weiter: „Für jeden eingesetzten Nachwuchsspieler könnte sich die Anzahl der benötigten EB-Spieler reduzieren.“ Sein Fazit zur aktuellen Regelung ist klar — sie verfehle ihren eigentlichen Zweck. Nachhaltige Nachwuchsarbeit entstehe nicht durch starre Vorgaben, sondern durch engagierte Vereinsarbeit vor Ort.
Was bleibt
Acht Trainer, acht verschiedene Ausgangslagen. Vereine ohne eigene Jugendabteilung kämpfen anders als Vereine mit zwölf Eigenbauern im Kader. Was in Orth funktioniert, ist in Kronberg eine Wochenaufgabe.
Eines eint aber fast alle Stimmen: Die Regelung in ihrer jetzigen Form trifft nicht das, was sie treffen soll. Ob das der Verband genauso sieht — das beleuchten wir in Teil 3.